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GERÄTE
#3 snowboard

auch mit 15 war ich nicht cooler und dachte fälschlicherweise ein snowboardkurs könnte das ändern. ein text, der meine lebenseinstellung zu sportlicher betätigung ( ich nenne sie: „mehr sitzen als alles andere“) nachhaltig geprägt hat.

das erste schlechte zeichen war „goofy“ für mich. in der schule hatte ich gehört, dass die coolen snowboarder aus der klasse alle „regular“ waren. regular, das hieß mit dem linken fuss vorne und dem rechten fuss hinten auf das snowboard geschnallt werden. die umgekehrte bindungseinstellung nannte man goofy.

um zu bestimmen, welche fussstellung zutraf, gab es einen einfachen test. unter aufsicht meiner eltern schubste mich der sportartikelverkäufer, der als selbstständiger seine waren aus der eigenen garage heraus verkaufte, um festzustellen, wie ich wieder landen würde.

obwohl ich überzeugt davon war, dass ich normalerweise regular zum stehen kam, lehnte ich mich nicht gegen die meinung des experten auf. schließlich war er die hand, die mich potentiell mit einer snowboardausrüstung füttern konnte. mit ihm in meinem boot waren die kräfte wieder ausgeglichen und ein „mal-schauen“-ausflug konnte sich schnell in einen shoppingtrip mit kaufabsicht verwandeln.

und zweiteres geschah dann auch. ich probierte die soft boots von burton und stellte mich auf mein neues snowboard, das mich wegen seiner blauen grundfarbe und den rosa-gelben karoelementen an meine allererste schultasche aus der volksschule erinnerte. (aber auf eine gute art)

auf der busfahrt, den berg hinauf zum ortsnahen skigebiet, kamen mir die nächsten zweifel. war es wirklich die beste idee als introvertierte person einen zehntägigen kurs ohne jegliche snowboardvorerfahrung zu belegen? ohne jemanden von den teilnehmenden zu kennen? außer der höchstsportlichen klassenkollegin, mit der man genau deswegen auch nicht connectete? (ja, genau, das sind rhetorische fragen)

letztere fand natürlich sofort anschluss – bei den anderen zukünftigen wintersportstars der region. ich geriet an eine ebenfalls wenig begabte, aber sehr nette italienerin aus südtirol, die sich (wie sich bald heraus stellte) als einzige nicht alleine mit dem schlepplift fahren traute. sie flehte mich an die order des snowboardlehrers, das liftfahren nur solo zu üben, zu übergehen und mit ihr zusammen nach einem bügel zu schnappen.

wider meiner besseren intuition ließ ich mich überrumpeln und willigte ein. schnell sollte ich bemerken, dass die italienerin nicht nur allein, sondern auch zu zweit panik am schlepplift bekam. als sie schließlich ihr komplettes gewicht auf meine seite verlagerte, stürzten wir, bevor ich noch etwas sagen hätte können, aus der anlage. 

oder eher nur sie. ich blieb wider erwarten mit dem board eingerastet am schwarz-orangen bügel hängen und konnte mich nicht befreien. weil der vorfall gleich am anfang der liftspur passierte, wurde ich fast den ganzen hang hochgeschliffen, bis mich der wart kurz vor ende der strecke bemerkte. als er den betrieb einstellte, konnte ich die bindung meines verhakten fusses glücklicherweise alleine öffnen und robbte hochroten kopfes davon. 

„Die Guano Apes
waren eine
der ersten deutschen Musikgruppen, die intensiv das 
Internet nutzten.“

Zitat aus dem Wikipedia-Eintrag der Band


With the lords of the boards you’re come again around

With the lords of the boards you’re mad like a clown

song zum text: Lords of The Boards – GUANO APES (1997)🔗

der boden schien mir generell näher als die bergluft zu sein. auch oben auf der piste angekommen, saß ich meistens frischgestürzt im schnee herum, während mich die anderen mit ihren boards passierten, wieder zum lift rauschten und ein zweites mal an mir vorbeizogen.

am letzten tag der kurswoche aber geschah es dann: das wunder von der forsteralm – oder zumindest mein persönliches. dank lockerstem neuschnee (die sorte, die gefühlt die ganze fahrarbeit übernahm), erlebte der snowboardlehrer, der zwar immer nett blieb, mich aber insgeheim bereits an tag 1 abgeschrieben hatte, ein finales erfolgserlebnis mit mir.

als er nämlich einer anderen gruppe ein fahrmanöver erklärte, fuhr ich an ihm vorbei und schaffte vor seinen augen eine wunderschöne kurve. er gestikulierte happy und deutete den anderen, mir nochmals bei der nächsten zuzusehen. ich hielt dem druck stand und managte auch die zweite ohne probleme.

ich fühlte mich großartig. und dank eines praktisch gelegenen hügels, der mich unmittelbar darauf verschluckte ( im sinne von: aus dem sichtfeld der anderen entfernte), blieb dem trainer auch verborgen, dass ich mich gleich danach wieder hinlegte.✌️


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