
GERÄTE
#4 toaster
man nehme nostalgische gefühle bezüglich alter versandhauskataloge und presse sie zusammen mit einer ananas zwischen zwei toastscheiben für diesen text
quelle, universal, neckermann, otto, la redoute, sportscheck, apart, ulla popken, 3 pagen, ikea, ernstling’s family oder auch conrad …wenn grad kein anderer frei war. generationen von frauen in meiner familie hoben sich regelmäßig kleine brüche, beim versuch – für alle sichtbar – die damals teilweise bis zu tausendseitigen kataloge hochzuhieven. es war einem nun mal ein anliegen, dass auch wirklich die letzten am küchentisch den neuen dunkelblauen adidas-bikini zu gesicht bekamen, bei dem man „derzeit aber noch überlegte“.
finalisiert wurde die bestellung ebenfalls gemeinsam, und auf den bestellschein gekritzelt, den man erstmal aus dem katalog raustrennen musste, ohne ihn gleich wieder zu zerreißen. als man wochen später fast schon annahm, dass dieser, via post, niemals das versandhaus erreicht hatte, kam das paket doch bei oma an und man führte sich gegenseitig die kleiderstücke vor – wobei man beim feedback ganz genau darauf achtete, ob die trägerin eher positive oder negative vibes bezüglich des anprobierten artikels ausstrahlte. unausgesprochener konsens war: stets die bereits vorgefasste meinung unterstützen.
kleine produktbilder erzeugen immer noch das schnellste dopamin in mir, und auch meine damals wie heute nicht zu leugnende gratis-mentalität dürfte auf diese zeit zurückzuführen sein. das größte der gefühle war für mich nämlich eigentlich gar nicht unbedingt der sale, sondern endlich alt genug dafür zu sein, um geworben werden zu können. die option „freunde werben freunde“ brachte willige neulinge (mit eigener wohnadresse) zur großen weiten katalogfamilie hinzu und schenkte den vermittler_innen im gegenzug eine kleine gratisprämie.
cheap wie ich mit anfang 20 war, ließ ich mich von meiner mama nicht nur werben, sondern wollte auch alle ihre geschenke einheimsen. ich wählte die prämien immerhin nach praktischen kriterien aus, bei denen ich sagen konnte „das können wir in der wg voll gut brauchen!“, und so passierte es auch, dass eines tages ein 2-scheibentoaster bei uns eintrudelte.
beim auspacken fiel mir bereits auf, dass es sich wohl um ein simpleres gerät handeln durfte. war der toaster einmal an den strom angeschlossen, toastete er nämlich sofort los – die übliche ein-aus-schaltmechanik suchte man vergebens.
zu kurz davon irritiert, flogen uns schon die sicherungen um die ohren. nachdem ein elektriker lange brauchte, die alten leitungen wieder anzukriegen, warf ich das ding – ungläubig, dass der stromausfall wirklich nur an dem toaster gelegen haben konnte – gleich nochmal an und die sicherungen waren erneut geschichte. der elektriker, mittlerweile auf der schnellstraße angekommen, leitete mich schritt für schritt über das telefon an, in der hoffnung nicht mehr umkehren zu müssen. das klappte auch nach ein paar wiederholungen, und ich schmiss den toaster noch am selben abend wütend in den hausmüll.
viel später erst trat das viel bessere konzept „plattengriller“ in mein leben. die scheiben hatten nun grillstreifen(!), der käse schmolz viel schöner und das grundgefühl beim toasten war ein wenig wie die erwachsenenversion des spiels kroko doc. mit dem zusatz: statt nur gebissen werden konnte man sich auch noch verbrennen, falls die platten zuschnappten.
aber das kleine restrisiko ist der toast hawaii allemal wert. oder der toast melba! – wer könnte sich jemals wirklich entscheiden. ich glaube, nur noch besser geht es den menschen, die einen thermomix zuhause stehen haben.
Nananananana,
das ist der Hawaii Toast,
Toast Hawaii schmeckt allen gut,
was ist mit dir?
song zum text:
Hawaii Toast Song – ALEXANDER MARCUS (2009)🔗